| 1. Was bedeutet die Aphasie für die Betroffenen und für die Angehörigen? Für die Betroffenen – aphasische Personen sind bei vollem Verstand – aphasische Personen scheinen oft ein besseres Sprachverständnis zu haben, als es in Wirklichkeit der Fall ist – aphasische Personen sind oft emotional instabil – aphasische Personen sind in ihren Leistungen oft inkonstant – aphasische Personen brauchen Zeit und Ruhe zum Verstehen, Reagieren, Antworten – aphasische Personen sind oft in ihren Reaktionen verlangsamt – aphasische Personen haben auch beim Lesen und Schreiben Schwierigkeiten Für die Angehörigen Die Aphasie trifft zwar einen Einzelnen, hat aber immer gravierende Auswirkungen auf das Leben der nächsten Angehörigen. Als Partnerin/Partner oder Angehöriger einer aphasischen Person fühlt man sich zunächst selber sehr hilflos. Man möchte trösten und helfen, weiss aber oft nicht wie. Deshalb ist es wichtig, sich bewusst zu machen, dass man den Erkrankten die verlorenen Fähigkeiten nicht ersetzen kann. Zwar können und sollten die Angehörigen helfen, soweit es möglich und sinnvoll ist. Eine Überbehütung sollte aber vermieden werden. Für viele Behinderte ist es sehr wichtig, alles, was selbst erledigt werden kann, auch wirklich selbständig zu tun – auch wenn es mühsam ist und länger dauert. Es gehört für Angehörige und auch BetreuerInnen oft viel Geduld und Einfühlungsvermögen dazu, dies geschehen zu lassen, ohne einzugreifen, wenn es doch mit ihrer Hilfe viel schneller und besser gehen würde. Für viele Betroffene kann aber das Gefühl, gebraucht und einbezogen zu werden, sehr wichtig sein – auch wenn es nur um Mithilfe bei Kleinigkeiten im Haushalt geht. Die Angehörigen müssen sich schliesslich bewusst machen, dass sie trotz des Schicksalsschlages des Partners oder der Partnerin das Recht haben, ihr eigenes Leben zu führen! Der aphasischen Person wird nicht dadurch geholfen, dass der gesunde Partner resp. die gesunde Partnerin auf alle eigenen Interessen und Lebensbereiche verzichtet. Letztlich profitiert eine behinderte Person auch mehr davon, wenn es den Angehörigen gut geht, als wenn diese (vielleicht aus schlechtem Gewissen) alle Annehmlichkeiten und Interessen opfern. Leben mit einer behinderten Person ist nicht einfach. Trotz bester Bemühungen kann es geschehen, dass die Situation irgendwann einmal entgleitet, dass die Angehörigen die Belastung zeitweilig nicht ertragen können oder ungeduldig und aggressiv reagieren. Solche Gefühle sind natürlich und verständlich. Man sollte versuchen, diese Situation anschliessend mit der aphasischen Person zu klären. Manchmal kann es nützen, Hilfe von aussen heranzuziehen oder mit anderen zu sprechen, die in derselben Situation sind, z.B. in Angehörigengruppen. Auch die Möglichkeit einer psychotherapeutischen Unterstützung sollte in Erwägung gezogen werden. 2. Wie kann die Verständigung erleichtert werden? Wie kann ich den Aphasiker besser verstehen? 1. Zuhören bedeutet: Warten. Der Aphasiker braucht mehr Zeit für seine Äusserungen. 2. Sprechen steckt an. Das, was der Aphasiker sagt, wird häufig vom Gesprächspartner beeinflusst. Nicht zu früh mit Wortvorschlägen helfen! 3. Mit dem Herzen hören. Darauf achten, ob die Absicht des Aphasikers verstanden wurde. 4. Eselsbrücken benutzen. Ein Wort, das nicht passt, nicht verwerfen – es könnte zum beabsichtigten Wort hinführen. 5. Die Dinge sprechen lassen. Mitdenken und genaues Beobachten der Situation helfen beim Verstehen. 6. Das Thema suchen. Gemeinsam mit dem Aphasiker herauszufinden versuchen, worauf sich seine Aussage bezieht. 7. Durch die Sprache hindurchhören. Bei unverständlichen Äusserungen nicht ständig unterbrechen – abwarten, dass sich der Sinn nachträglich ergibt. 8. Nur auf den Inhalt achten – die Form übersehen. Nicht ständig verbessern. 9. Nachsprechen ist keine echte Kommunikation. Nicht auf sprachlicher Äusserung bestehen, auch nichtsprachliche akzeptieren. 10. Konzentrieren hilft nicht. Schlüsselsatz: «Vielleicht kannst du es später sagen!» 11. Bei Perseverationen ablenken. Bei hartnäckigen Wortwiederholungen unterbrechen und ablenken. 12. Nicht aufgeben. Schlüsselsatz: «Wir werden es herausfinden – bitte, fang nochmal an!» Was kann ich tun, damit der Aphasiker mich besser versteht? 1. Ruhe ist wichtig. Hintergrundgeräusche stören das Verstehen. Zweiergespräche sind leichter als Gruppengespräche. 2. Nonverbale Signale einsetzen. Neben Tonfall, Mimik und Körpersprache, Schrift und Bilder einsetzen. 3. Lautstärke nicht erhöhen. Ruhig, nicht zu schnell, aber natürlich und in normaler Lautstärke sprechen. 4. Den Wortlaut variieren. Bei Nichtverstehen andere Formulierungen wählen. 5. Kürze kann helfen. Je nach individuellen Möglichkeiten der Aphasiker nach kürzeren Abschnitten (Satzteilen, Sätzen, Texten) Pausen einlegen. 6. Ja-Nein-Fragen stellen. Offene Fragen und Alternativfragen sind oft zu schwierig. Wie kann ich als Aphasiker das Gespräch erleichtern? 1. «Verhören» ist möglich: Prüfen Sie: «Habe ich wirklich verstanden?» 2. Nichtverstehen sofort signalisieren. Ihre Gesprächspartner erkennen nicht immer, ob Sie alles verstanden haben. 3. Auf den Hörer achten. Halten Sie Augenkontakt. Prüfen Sie: Weiss mein Hörer, worüber ich spreche? Was für Hilfsmittel gibt es? Für Personen mit schweren Aphasien werden meist in der Therapie Hilfsmittel für die Verständigung erarbeitet. Diese sind dann den jeweiligen individuellen Bedürfnissen angepasst und sollten unbedingt auch zu Hause im Alltag eingesetzt werden. Dies setzt eine Beratung durch die behandelnden Sprachtherapeutinnen voraus. Der Einsatz muss geübt werden. Quelle: www.aphasie.org |